Erhard Nierhaus über „Luther und die Juden“

Mit einem Vortrag über „Luther und die Juden“ eröffnete der ehemalige Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Hamm, Erhard Nierhaus, am 5. März die Veranstaltungsreihe zum Reformationsjubiläum „Tach Luther“ und gleichzeitig die Ahlener „Woche der Brüderlichkeit“. Im gut gefüllten Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus zeigte Nierhaus auf, dass sich der Antijudaismus wie ein roter Faden durch die Geschichte des Christentums ziehe. Da sei auch Martin Luther keine Ausnahme. Seine Schriften, in denen er sich mit dem Judentum und den Juden beschäftigte, hätten zunächst einen freundlichen Ton gehabt. Als er aber gemerkt habe, dass die „Judenmission“, die er anstrebte, keinen Erfolg hatte, wurden seine Aussagen härter. Dass Luther u.a. dazu aufgefordert habe, die Synagogen zu verbrennen, sei nicht zu entschuldigen, so Nierhaus. Luther sei ein höchst intelligenter Mensch in manchmal extremen Widersprüchen gewesen. Erhard Nierhaus stellte außerdem klar, dass der Reformator keine Tradition in der evangelischen Kirche gegründet habe, die u.a. zum Antisemitismus und zur Verfolgung der Juden in der Nazizeit geführt hätte. Dazu sei die Wirkung seiner Schriften über die Juden zu begrenzt geblieben. Die Reformation hin zu einer Kirche ohne Antijudaismus stehe allerdings noch aus, schloss Nierhaus sein Referat. (Foto: Ingrid Kunst / AT)