Am 8. Oktober sind der evangelische Theologe und stellvertretende Rundfunkbeauftragte Titus Reinmuth und seine Band „Kreuzweise“ mit einer musikalischen Lesung zu Gast in der Pauluskirche. Reinmuth, den Pfarrer Markus Möhl von der Evangelischen Kirchengemeinde Ahlen während der Arbeit an einem Rundfunkgottesdienst im Jahre 2019 kennen gelernt hatte, bekam im selben Jahr Krebs. Darüber hat er ein Buch geschrieben, das 2022 erschienen ist: „Mit Dir wird es leichter. Ein Jahr, eine Freundschaft und 1001 Nachricht.“
Pfarrer Möhl hat im Vorfeld zu der Veranstaltung ein Interview mit dem Autor geführt..
Markus Möhl:
Herr Reinmuth, „Mit Dir wird es leichter“ ist ein Buch über Sie, über den Krebs, über Freundschaft und Zuversicht. War das von vornherein gedacht als ein Versuch, Ihre Krankheitsgeschichte zu verarbeiten?
Titus Reinmuth:
Ja absolut, das ist für mich eine Art therapeutisches Schreiben gewesen. Ich verarbeite im Nachhinein mit etwas Abstand die Geschichte. Und es ist eben nicht nur eine Geschichte über das Leben, wie es durcheinander kommt, wenn man plötzlich eine Krebsdiagnose hat. Sondern es ist vor allem eine Geschichte einer Freundschaft zwischen den beiden Hauptpersonen Tim und Sarah. Tatsächlich habe ich mir während der Krankheit mit einer sehr guten Freundin geschrieben, im persönlichen Chat. Nicht so oft, wie im Buch, aber auf diese Weise bin ich nochmal die ganze Entwicklung durchgegangen. Für mich war das Wichtigste, nicht nur meine Frau meine Familie zu haben, sondern auch ein paar enge Freunde, die mich mit durchgetragen haben. Insofern erzähle ich in dem Buch auch eine Geschichte über die Kraft der Freundschaft.
Markus Möhl:
Ist denn dieser erhoffte therapeutische Effekt eingetreten? Ist es wirklich etwas leichter geworden, wie es im Buchtitel anklingt? Wieviel Zugriff hat der Krebs noch auf Ihr Leben?
Titus Reinmuth:
Heute nur noch wenig. Das ist aber auch eine Typenfrage. Ich ich stelle mich dem Problem erst, wenn es da ist. Natürlich muss ich noch die regelmäßigen Kontrollen machen, aber ich starre nicht auf den nächsten Termin, sondern ich lebe. Man kann nur verlieren, wenn man auf die nächste Untersuchung guckt. Das Buch hatte für mich den Effekt, dass ich die Geschichte auch ein bisschen loslassen konnte. Ich hab dann einmal verarbeitet, was es heißt, dass Lebenszeit begrenzt ist, was eigentlich ein geglücktes Leben ist, was Glück ist, wenn man eigentlich gerade Pech gehabt hat. Darüber sprechen und schreiben Tim und Sarah ganz offen.
Markus Möhl:
Die Konzertlesung ist ja auch als Mutmach-Abend angekündigt. Welche Erfahrungen haben sie da bei Ihren Auftritten gemacht?
Titus Reinmuth:
Wir machen ja eine musikalische Lesung, ich trete zusammen mit meiner Band „Kreuzweise“ auf, für die ich auch die Texte schreibe. Und wir haben gemerkt: Völlig egal, ob wir jetzt vor 30 oder vor 300 Leuten lesen und spielen – es immer eine total aufmerksame Atmosphäre und die Resonanz hinterher ist wirklich so, dass sie sich ermutigt und berührt fühlen – ob sie nun selber so eine Geschichte hatten oder im Umfeld erlebt haben.
Markus Möhl:
Für „Kreuzweise“, Ihrer Band, spielen Sie nicht nur den Bass, sondern sie schreiben auch die Liedtexte. Haben die sich nach Ihrer Erkrankung nochmal verändert?
Titus Reinmuth:
Ja, in den Songtexten spiegelt sich meine Geschichte natürlich auch wieder, sie spielen damit und ich habe damit auch etwas verarbeitet. Aber wenn Lieder eine Botschaft haben, die man zu schnell erkennt, sind sie eigentlich nicht gut. Unsere Texte sind so geschrieben, dass sie offen sind für Deutungen, dass das Publikum da andocken und sich eigene Gedanken machen kann.
Markus Möhl:
Herr Reinmuth, Sie sind evangelischer Theologe und Christ. Welche Rolle hat denn der Glaube in ihrer Geschichte gespielt?
Titus Reinmuth:
Ich trete tatsächlich jeden Morgen erst mal kurz nach draußen auf die Terrasse, trinke einen ersten Kaffe, gucke in die Morgensonne und bin einfach nur dankbar. Das sage ich Gott, und dann starte ich meinen Tag. Diese Dankbarkeit ist für mich unglaublich wichtig geworden und noch stärker geworden durch die Krankheit. Es gab aber auch Momente, da habe ich mit Gott gerungen und geflucht: „Was hast du dir dabei gedacht, Gott, warum muss ich jetzt hier durch, was soll das Ganze?“ Und dann ist es wieder ein tiefes Gefühl von Vertrauen, dass ich mich fallen lassen kann und dass – egal wie das ausgeht – Gott mich da durch trägt.
Markus Möhl:
Vielen Dank, Herr Reinmuth.
Die Konzertlesung beginnt am 8. Oktober um 17 Uhr in der Evangelischen Pauluskirche (Bismarckstrasse 37, 59229 Ahlen). Eintrittskarten sind im Vorverkauf im Gemeindebüro (Raiffeisenstrasse 3, 59229 Ahlen) oder an der Abendkasse zum Preis von 10 Euro (ermäßigt 7 Euro) zu erwerben.
Foto: Birgit Uelledahl